HO-Rohstoffe

 

HO-Öle eigenen sich aufgrund ihrer Fettsäurezusammensetzung ausgezeichnet für die Food und Non Food Verwertung. In technischen Anwendungen wird typischerweise nicht das Öl selbst, sondern die aus der industriellen Fettspaltung resultierenden Fettsäuren und deren Folgeprodukte, wie z.B. Fettalkohole, Ester oder andere Derivate eingesetzt. Dabei dominiert heute im technischen Bereich noch tierisches Fett als Rohstoffquelle den Ölsäuremarkt. Als Nebenprodukt aus der Schlachtung (Reststoffverwertung) ist es die preisgünstigste Ölsäurequelle und in großen Mengen verfügbar, wenn auch ein beachtlicher Aufwand zur Aufbereitung betrieben werden muss, um das Abfallprodukt in die gewünschte Form zu bringen: roher Talg enthält etwa 40 % Ölsäure, durch Aufreinigungsverfahren kann der Ölsäuregehalt auf etwa 70 % gesteigert werden. Im Vergleich zu HO-Ölen ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung der Nebenfettsäuren Unterschiede in anwendungsrelevanten Eigenschaften.

Tabelle: Neue und alte Quellen für Ölsäure (Fettsäurezusammensetzung)

 

Grafik: Fettsäurespektrum verschiedener Ölsäurequellen

In Lebensmitteln kommt meist das Öl selbst zum Einsatz, dieser hiesige Markt wird dominiert von Olivenöl. In den USA und zunehmend auch in Europa werden HO-Öle auch als Olivenölalternativen eingesetzt.

In jüngster Zeit gewinnen Pflanzenöle aus Saatneuzüchtungen mit hohem Ölsäuregehalt wie HO-Sonnenblumenöl (HOSO), HO-Saffloweröl und zukünftig wohl auch HO-Raps- und HO-Sojaöl zunehmend an Bedeutung. Bei neuen Züchtungen, die an der Grenze zur Kommerzialisierung stehen, konnte der Ölsäuregehalt auf Kosten der in der Oleochemie unerwünschten, da oxidativ instabilen mehrfach ungesättigten Fettsäuren weiter gesteigert werden. Gegenüber dem preisgünstigen Abfallprodukt Talg aus Schlachtereiabfällen liegen ihre Preise heute jedoch noch deutlich höher.

Durch die Fortschritte in der Züchtung und durch Maßnahmen zur Entwicklung des feldmäßigen Anbaus haben HO-Sonnenblumensaaten die Marktreife erreicht. Auch für andere High Oleic Saaten, die derzeit noch züchterisch bearbeitet werden, ergeben sich zukunftsträchtige Perspektiven. Für die Markteinführung von neuen High Oleic Ölen gilt: High Oleic Öle bzw. deren Folgeprodukte treffen auf bereits markteingeführte Produkte aus anderen Ölsäure-Rohstoffen. Demnach ergibt sich zukünftig ein Wettbewerb zwischen den neuen HO-Ölsaaten und den am Markt etablierten Produkten aus unterschiedlichen Ölsäurequellen. Das Substitutionspotential im Wettbewerb wird v.a. durch die jeweilige Preissituation und anwendungstechnischen Vorgaben bestimmt.

High Oleic Ölsaaten, insbesondere HO-Sonnenblumen konnten in den letzten Jahren erfolgreich als neue Agrarrohstoffe eingeführt werden. Betrachtet man die neuen HO-Ölsaaten, so wird derzeit nur HO-Sonnenblumenöl (HOSO) in nennenswertem Umfang produziert und vermarktet. Der größte Anbau erfolgt dabei in den USA (etwa 100.000 ha jährlich), gefolgt von Frankreich (30.000-50.000 ha) und Argentinien. Allerdings übersteigt der Ölsäuregehalt nur selten wesentlich über 80 %, da kein besonderes Qualitätsmanagement installiert ist. In den Export gelangen weltweit nur geringe Mengen (Schätzung 2000: max. 50.000 t Öl), d.h. der Großteil des Öls wird inländisch verbraucht.

Tabelle: Weltproduktion HO-Rohstoffe

 

Die neuen Züchtungen der HO-Varianten von Raps und Soja werden mittlerweile auch im geringen Umfang angebaut, wenn auch praktisch kein freier Handel damit stattfindet. Die züchterischen Bemühungen laufen jedoch weiter - sowohl gentechnisch als auch mit konventionellen Züchtungsmethoden wird an HO-Rapsvarianten gearbeitet, auch in Deutschland gibt es erfolgversprechende Aktivitäten. In Zukunft dürfte der Anteil von Raps und Soja an der HO-Ölsaatenproduktion deutlich steigen. HO-Safflower wird bereits in etwas größerem Umfang angebaut. Der große Nachteil von Safflower sind die geringen Ölerträge. Mit einer starken Ausweitung des Anbaus ist deshalb nicht zu rechnen.


Die Verfügbarkeit von HO-Sonnenblumenöl dürfte sich in den nächsten Jahren erheblich verbessern. An der Verbesserung des Saatgutes wird weiterhin von Unternehmen wie Dupont-Pioneer Hi Bred oder Monsanto-Dekalb gearbeitet. Auch kleinere Saatzuchtunternehmen haben neue HO-Sorten hervorgebracht.

Für eine Ausweitung des Anbaus von HO-Saaten müssen auch neue Vermarktungswege für HO-Öle und HO-Folgeprodukte geöffnet werden. Dabei gilt es v.a. Verwertungsmöglichkeiten zu detektieren, die die sehr hohen Ölsäuregehalte der neuesten Saatsorten vorteilhaft im Sinne einer Produktverbesserung (Anwendungstechnik) nutzen, da sonst ein v.a. über den Preis auszufechtender Substitutionswettbewerb mit den bereits vorhandenen Ölsäurequellen von geringerem Ölsäuregehalt erfolgen würde. Chancen hierzu sind reichlich vorhanden.