HOSF-Spezial: Hochölsäurereiche Sonnenblumen

 

HOSF - Sorten

High Oleic Sonnenblumensaaten (HOSF) weisen in ihrem Fettsäurespektrum mindestens 80 % Gehalt an Ölsäure, einer einfach-ungesättigten C18-Fettsäure (C18:1) auf. Heute existieren Sorten, die ein Potential von über 90 % Gehalt an Ölsäure im Praxisanbau (s.a. Ergebnisse) bewiesen haben.

Tabelle: In Deutschland im Anbau befindliche HOSF Sorten

Sorte; (Züchter / VO-Firma)
Eigenschaften
Olbaril; (Pioneer Hi-Bred)
gutes Ertragsniveau; hohe Ölgehalte; stabile Ölsäuregehalte, späte Abreife; große Wuchshöhe
Proleic; (Rustica Saaten
gutes Ertragsniveau; stabile Ölsäuregehalte; späte Abreife; große Wuchshöhe
Olsavil; (Pioneer Hi-Bred)
gutes Ertragsniveau; sehr hohe, stabile Ölsäuregehalte, sehr späte Abreife (nur für sichere Standorte)
Olstaril; (Pioneer Hi-Bred)
gutes Ertragsniveau; frühe Abreife; gute, stabile Ölsäuregehalte; große Wuchshöhe
Cadasol; (Monsanto)
gutes Ertragsniveau, frühe Abreife, mittlere Wuchshöhe, mäßige Ölsäuregehalte (größer 80 %)
Capella; (Saaten Union)
geringeres Ertragsniveau, sehr frühe Abreife; geringe Wuchshöhe; mäßige Ölsäuregehalte (größer 80 %)

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HOSF-Modellanbau in der Bundesrepublik Deutschland

High Oleic Ölsaaten, insbesondere HO-Sonnenblumen konnten in den letzten Jahren erfolgreich als neue Agrarrohstoffe eingeführt werden. Im Vergleich der verschiedenen HO-Ölsaaten nehmen HO-Sonnenblumen derzeit sowohl bei der Quantität (Menge) als auch der Qualität (Ölsäuregehalt) der Produktion die führende Position ein. In Deutschland wurden zunächst vor allem Fragen des Anbaus und der Saatlogistik beantwortet, so dass heute ein exzellentes Anbaumanagements zur Verfügung steht. Damit lassen sich Öle mit einem Ölsäuregehalt von bis zu 90 % erzeugen - eine am Markt bislang unerreichte Qualität.

In Deutschland wurde die Einführung des HO-Sonnenblumenanbaus öffentlich gefördert (FNR-Modellanbau 1995-2000, Download FNR-Projektliste als Word-Dokument). Dabei wurden Sorten getestet, die landwirtschaftliche Anbaupraxis verbessert, logistische Fragestellungen beantwortet und eine Qualitätssicherung für hohe Erträge und Ölsäuregehalte eingeführt. Die Vermarktung des Öls erfolgte dabei im Vertragsanbau. Abnehmer waren Unternehmen der oleochemischen Industrie: 1995-1999 Henkel/Cognis, 1999-2000 Uniqema. Der durchschnittliche Ölsäuregehalt liegt bei gut 80 %. Seit 1999 bietet weiterhin die Dr. Frische GmbH Verträge für die Landwirtschaft zur Erzeugung von extrem ölsäurereichen Ölen (90plus®) an, das Öl wird als Spezialität vermarktet.

Tabelle: Fettsäurespektrum der HO-Ernte 1999 (im Öl)

Bislang erfolgt der Anbau im Regelfall durch Vertragsanbau, d.h. der Abnehmer des Öls verpflichtet sich zur Abnahme einer bestimmten Menge zu einem fixierten Preis vor Anbaubeginn. Zukünftig ist mit einer Ausweitung des freien Anbaus und der freien Ölvermarktung zu rechnen. Insgesamt beträgt das gesamte Anbaupotenzial für HO-Sonnenblumen in Deutschland mindestens 40.000 ha (ca. 40.000 t Öl). Geht man davon aus, dass die gesamte für den Sonnenblumenanbau potenziell geeignete Fläche genutzt würde, so schätzen Experten das max. Potenzial z.T. bis über 100.000 ha. Die bisherige Anbaufläche ist demnach noch nicht einmal zu 10 % in Deutschland ausgeschöpft (weltweit ist die Situation vergleichbar).

 

Inhalte und Ziele des Modellanbaus:

  • Agrarwissenschaftliche Begleitung (FAL)
  • Entwicklung eines Qualitätsmanagements (Dr. Schlüter)
  • Sortentest
  • Auswahl geeigneter Regionen
  • Abnehmer (Vertragspartner): Henkel / Cognis (80), Dr. Frische GmbH (90plus®)
  • Einige der wichtigsten Ergebnisse:

  • Der Anbau von HOSF ist in Deutschland mit guten Ergebnissen möglich - auch in industriell relevanter Größenordnung (10.000 - 100.000 t Öl im Jahr).
  • Das Risiko von witterungsbedingten Ernteausfällen ist im Vergleich zu konventionellen Sonnenblumensorten noch höher (sortenabhängig).
  • Für die Produktion von HO-Ölen mit extrem hohem Ölsäuregehalt (> 90 %) muss ein aufwendiges Qualitätsmanagement betrieben werden (Ausschluss von Linolsäureeintrag).
  • Geeignete Regionen: Rheinland, Unterfranken, Thüringen, Sachsen-Anhalt, z.T. auch andere.
  • Wettbewerbsfähigkeit: aufgrund des höheren Anbaurisikos, der etwa 10 % geringeren Erträge und des notwendigen QM ist der Anbau von Standard-HOSF dann rentabel, wenn ein Preisaufschlag gegenüber konventionellen Sonnenblumensaaten in der Landwirtschaft realisiert werden kann. Für extrem ölsäurehaltige Öle muss ein deutlich höherer Preis aufgrund des QM und der Sortenempfindlichkeit realisiert werden.
  • Tabelle: Ergebnis FNR-Modellanbau HOSF: Saaterträge je ha

    Herausragend ist der extrem hohe Ölsäuregehalt einer Teilcharge (90plus®: Warenzeichen der Frische GmbH, Alzenau) , der durch besondere Vorkehrungen bei Anbau und Saatverarbeitung erreicht werden konnte. Stearin- und Linolsäuregehalt versprechen ein weites Anwendungsspektrum der HO-Öle. Durch diese Initiativen wurde die Ausweitung des Anbaus von HO-Sonnenblumen in Deutschland erheblich beschleunigt:

     

    Tabelle: Anbau von High Oleic Sonnenblumen in Deutschland

     

    Die Perspektiven, die sich unter Ausschöpfung des Anbau- und Verwertungspotentials ergeben, liegen deutlich über dem derzeitigen Anbauniveau. Landwirtschaft und Wirtschaft können von HO-Ölsaaten zukünftig verstärkt profitieren. Anbau- und Verwertungspotenziale wurden in einer Marktstudie eruiert. Die Dynamik des Wachstums ist in der Grafik gut ersichtlich.

     

    Qualitätsmanagement

    Höchste Ölsäuregehalte können nur durch ein strenges Qualitätsmanagement erreicht werden, was letztlich zu deutlich höheren Kosten - besonders für extrem ölsäurehaltige Öle - führt.

    Weitere Informationen zum Qualitätsmanagement erhalten Sie von:

    Dr. Bernd Schlüter
    Aegidiusstraße 2
    D-53332 Bornheim
    Tel. 02222 / 952153