September 2000, Ernährungsdienst

Nachfrage nach High-Oleic Sonnenblumenöl steigt

Ein teils heftiges Auf und Ab kennzeichnete die Nachfrage- und Preisentwicklung bei ölsäurereichen Sonnenblumenölen in den letzten Monaten. Im Winter dieses Jahres waren die Preise für die meist zwischen 77 und 83 % Ölsäure enthaltenden High-Oleic Öle auf ein historisches Tief deutlich unter 1.000 DM / t gerutscht. Über die Gründe darf spekuliert werden: in jedem Fall sorgten die im Herbst 99 auf den Markt drängenden HO Öle für einen zeitweisen Überhang an Angebot mit schlechten Preisen aus Sicht der Erzeuger. In der Folge war ein deutlicher Anbaurückgang in 2000 zu beobachten. Glücklich dürften nun die Erzeuger sein, die noch Öl im Tank oder HO-Sonnenblumen auf dem Feld haben: seit März des Jahres steigt der Preis, im Juni / Juli wurden bereits wieder mehr als 1.500 DM / t gezahlt. Wie von Seiten verschiedener Ölhändler berichtet wird, ist seit Anfang Juni diesen Jahres praktisch europaweit kein HO-Öl mehr zu bekommen.


Die neuerliche starke Nachfrage dürfte nicht zuletzt auf das steigende Interesse der Ernährungsindustrie zurückzuführen sein, die den Rohstoff aufgrund seiner hohen Hitzebeständigkeit immer häufiger als Frittier- und Bratöl einsetzt. Für eine dauerhaft positive Entwicklung des Marktes für HO-Öle spricht neben den bekannten ernährungsphysiologischen Vorzügen, dem idealen Verhältnis zwischen gesättigten, mono-ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, auch die Abwesenheit von trans-Fettsäuren. In den USA werden deswegen HO-Öle auch in speziellen Gesundheitsprodukten, wie z.B. Babynahrung oder Seniorenprodukten eingesetzt, Salatöle werden mit der Olivenöl analogen Fettsäurezusammensetzung beworben. In Europa sind bislang kaum deklarierte HO-Sonnenblumenöle in den Supermarktregalen zu finden.
Sehr gute Perspektiven hat das Öl aufgrund seiner technischen Eigenschaften auch in der Oleochemie sowie in Produkten der Kosmetik, Pharmazie, der Schmier- und Kunststoffindustrie. HO-Öle sind gut geeignet als Grundöle für Bioschmierstoffe oder Additive in Kühlschmierstoffen - insbesondere wenn der Gehalt der oxidationsanfälligen mehrfach ungesättigter Fettsäuren minimiert werden kann. Solche Öle wurden letztes Jahr erstmals in Deutschland produziert, mit einem weltweit einmalig hohen Ölsäuregehalt von mindestens 90 %. Die Produktion von HO-Ölen mit extremen Ölsäuregehalten setzt ein aufwendiges Qualitätsmanagement voraus, zudem trägt der Landwirt ein hohes Witterungsrisiko bei den speziellen Sorten. Ein entsprechender Aufschlag für Top-Ölsäuregehalte ist also durchaus gerechtfertigt: im Vertragsanbau werden Erzeugerpreise von rund 650 DM / t Saat bezahlt.


Betrachtet man die Vorzüge von "normalen" HO-Ölen im food und non food Bereich und deren Produktionsnachteile, so dürfte auch der bislang eigentlich übliche Preisaufschlag in einer Größenordnung von etwa 20-30 % gegenüber konventionellen Sonnenblumen deren Chancen in der Vermarktung kaum bremsen. Umfangreiche aktuelle Informationen zu HO-Ölen und deren Einsatzmöglichkeiten können neuerdings kostenlos im Internet unter www.high-oleic.de abgerufen werden.

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